Die „Bokelt“ Clubyacht des Bocholter Yachtclubs wieder zurück von großer Fahrt

Am 17. Cam-Race, einer Segelregatta von Lauwersoog NL nach Stavern in der Nähe des Oslofjords in Norwegen, nahm der Yachtclub nun zum 9ten Mal teil und zählt damit schon zu den Veteranen.

Als Crew hatten sich neben Udo Engelhardt als Skipper, Ludger Peters, Nils Steiner, Hans Mülders und Oliver Hoffmann auf die ca. 400 sm lange Strecke gemacht. Start war der derzeitige Liegeplatz der Bokelt in Andjik Nl, wo es gleich in der ersten Nacht zu einer Überraschung kam.

Eine kleine Katze hatte sich offensichtlich im Schiff geirrt und war vom Steg ins Schiff und den Crewmitgliedern im Schlaf über Gesicht und Körper gehuscht. Los ging dann die Überführung mit Zwischenstopp auf Vlieland nach Lauwersoog, wo wieder ein umfangreicher Sicherheitscheck aller teilnehmenden Yachten stattfand.

Mit von der Partie war  neben drei weiteren deutschen Yachten auch die Dicky von unserem Clubmitglied Heinz Lensing mit Skipper Ihno Petersen. Entscheidend für den Verlauf dieser Regatta waren wieder einmal die Wetterprognosen.

Von einer ostwärts ziehenden Front mit Gewittern bis hin zu 2 sich Verbindenden Hoch-druckgebieten war alles drin – nur kein konkreter Wind. Doch es kam noch schlimmer! Bereits nach ca. 60 sm liefen die ersten Yachten je nach gewähltem Kurs umgeben von Windparks in Flautenlöchern fest. Die Bokelt geriet zwar vor der Küste von Dänemark in ein Gewitter, aber auch das brachte keinen brauchbaren Wind. So hatte die wachhabende Crew Zeit, sich im Blitzlicht an schemenhaft auftauchenden Yachten oder Frachtern zu orientieren und zu versuchen, den richtigen Kurs beizubehalten.

Wenigstens das berüchtigte Skagerak wartete mit halbwegs brauchbarem Wind auf, aber auch der verließ die Crew bei Gegenstrom ca. 12 sm vor der Ziellinie. Geholfen hat nur ein Kreuzen vor dem Wind und nach endlos erscheinenden 4 Stunden überquerte die Bokelt nach insgesamt 57:42 Stunden um Mitternacht die Ziellinie als 23ste von 70 Yachten.

Die Crew war stolz über dieses Ergebnis, denn vor ihr lagen nur hochgerüstete Regattayachten mit einer unvorstellbaren Vielzahl von unterschiedlichsten Hochleistungs-segeln.
Belohnt wurden die Strapazen mit einigen Tagen Ruhe in einer herrlichen Fjordlandschaft bei Strahlend blauem Himmel und einer Sonne, die zu dieser Jahreszeit nur wenige Stunden „Schlafen geht“.

Die übliche Parade der Yachten durch den Larvick-Fjord zum Gedenken an den Konstrukteur
Der Colin- Archer sowie die Ermittlung des Gesamtsiegers aus insgesamt 9 Gruppensiegern sowie Siegerehrung mit einem Barbeque unter freiem Himmel mit Musik und Tanz waren wieder ein krönender Abschluß!

Am nächsten Tag ging es mit Südkurs aber ohne Wind durchs Skagerak Richtung Hirtshals in Dänemark zu einem Austausch wieder zur Arbeit strebender Crewmitglieder.

Von dort ging es bei kräftigem Ostwind weiter durch die berüchtigte Jammerbucht an der Nordwest-Seite Jütlands nach Thyborön, einem der größten Fischereihäfen Dänemarks, wo wir auch die Dicky wieder getroffen haben, um dann gemeinsam weiter gen Süden zu segeln.

Und dann wurde es spannend.
Schließlich stand das Endspiel der Fußball-WM an und es war abgesprochen, dass die Bokelt bei jedem Spiel der Deutschen Mannschaft in einem Hafen liegen musste, was uns bis jetzt auch geglückt war.

In Whide Sande, an der Westküste Dänemarks, fanden die beiden Crews schließlich eine urige Piratenkneipe mit reichlich Bildschirmen und konnten die vielen Attacken auf Basti und andere Spieler hautnah miterleben.

Nach dem glücklichen Spielausgang störte der einsetzende Regen noch weniger als sonst und selbst die Bokelt schien größer zu sein als vorher! Der nächste Hafen war List auf Sylt, aber anscheinend waren wir dort nicht willkommen, denn ein kräftiger Tidenstrom mit mehr als 4 Knoten verzögerte unsere Einfahrt.

Der Hafen war einer der kleinsten und unruhigsten auf dem ganzen Törn und nur die Vielzahl und Aufmachung kleiner Restaurants mit Strandkörben und herrlichen Fischgerichten und –last not least- endlich wieder deutsch sprechen zu können, versöhnte die Crews.

Leider drängte die Zeit und so ging es am späten Nachmittag aber mit der Tide und einem Nachttörn über Vlieland, Harlingen, Makkum und Enkhuisen wieder zurück nach Andjik, wo uns tatsächlich unser nächtlicher Besuch vom Beginn unserer Reise vertraut und schnurrend begrüßte.

Am Schluss standen nach 3 Wochen Törn 1087 sm auf der Logge und das Gefühl, die Nordsee weit über den Horizont hinaus neu erobert, Alltag, Zeit und Stunden vergessen zu haben und sich klein zu fühlen in einer Nussschale auf weiter See bei stockdunkler Nacht und zuckenden Blitzen.

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